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27.09.16 |

"Baustelle" Komper Heide

VVS-Wanderung führte zu den aktuellen Maßnahmenflächen des Naturschutzprojektes chance7

Zu einer Wanderung durch die Komper Heide hatte der VVS am Sonntag, dem 25. September eingeladen. Bei strahlendem Sonnenschein trafen sich dann auch ca. 30 Wanderfreunde, die von Hans Peter Lindlar, dem Vorsitzenden des VVS, und Wilbert Fuhr begrüßt wurden. In Vertretung von Fuhr übernahm Georg Persch, Projektleiter des Naturschutzgroßprojektes chance7, die Führung der Gruppe. Begleitet wurde er dabei von Robert Klein, dem Vorsitzenden des Naturschutzvereins ANUAL.

Vom Bundeswehrdepot aus ging es in die Komper Heide, in der Persch ausführlich über die aktuellen Maßnahmen des Projektes informierte. Er erläutere dabei die historische Entwicklung des  Gebietes, das mit der Musser und Leutesteins Heide früher eine Fläche von mehr als 500 ha umfasste, in dem die Heide blühte und vorwiegend als Schafweide und zur Gewinnung von Einstreu genutzt wurde. Vor allem nach dem zweiten Weltkrieg wurden große Flächen drainiert und aufgeforstet, lediglich kleinere Flächen und der Bereich des Segelflugplatzes blieben hiervon verschont. In den Fichtenforsten rund um diese ökologischen Kleinode kann man noch gut erkennen, wie es früher wohl ausgesehen hat. Dort wachsen schon auf kleinsten Lichtungen Besen- und Glockenheide, gesellen sich Rippenfarn und Torfmoose hinzu.

 

 

Anlass für das Projekt chance7, sich um die Wiederherstellung der seltenen und ökologisch bedeutsamen Heiden zu kümmern. Gemeinsam mit dem Eigentümer, dem Landesbetrieb Wald und Holz NRW, wurden auf insgesamt 2,5 Hektar Fichten entfernt und die Stubben mit schwerem Gerät abgefräst. In den letzten Wochen wurde die Schicht aus Hackschnitzeln dann in einem weiteren Arbeitsgang entfernt, um den Samen der Heidekräuter und anderen seltenen Pflanzen wie Arnika und Lungenenzian die Keimung zu ermöglichen. Die Wandergruppe konnte sich ein eindrückliches Bild vom aktuellen Zustand der Flächen machen, den Georg Persch durchaus zutreffend mit „Baustelle des Naturschutzes“ beschrieb. Er machte klar, dass Naturschutz eben nicht nur die Sicherung des Status quo beinhaltet, sondern in vielen Fällen ein aktives Handeln erfordert bis hin zu größeren Baumaßnahmen wie hier in der Heide oder auch im Wasserbau, um naturnahe Zustände wieder herzustellen.

 

 

Dass sich Naturschutz und Bewirtschaftung gut vereinbaren lassen, erläuterte der Wanderführer in einem angrenzenden Waldbereich. Naturnahe Waldwirtschaft fördere in den meisten Fällen eine große Vielfalt an Waldstrukturen und damit Lebensräumen für Pflanzen und Tiere. Alt- und Totholz sowie die Nutzungsaufgabe auf einzelnen Teilflächen könnten diese Vielfalt noch steigern. Hans Peter Lindlar wies in diesem Zusammenhang noch einmal darauf hin, dass das Projekt ausschließlich auf einer freiwilligen Mitwirkung von Eigentümern und Bewirtschaftern beruhe und dies sicherlich auch zur großen Akzeptanz in der Bevölkerung beitrage.

 

Ein Blick über die Landesgrenze nach Rheinland-Pfalz machte der Gruppe klar, dass man sich in einem großen länderübergreifenden Schutzgebiet befindet, in dem seit mehr als 25 Jahren durch ANUAL und andere Akteure erfolgreiche Naturschutzarbeit geleistet wird.

 

Zum Abschluss der Wanderung musste Georg Persch allerdings auch ein wenig Wasser in den Wein gießen. Einige Interessierte waren wohl auch in der Hoffnung mitgewandert, Landschaftsbilder wie in der Lüneburger Heide vorzufinden. Georg Persch und Robert Klein machten klar, dass es zwischen Eudenbach und Buchholz zwar mittlerweile mehr als 15 Hektar Heide gebe, aber natürlich nicht als große zusammenhängende Fläche, sondern verteilt auf Einzelflächen. Dem Wert des Gebietes tue das aber keinen Abbruch. Und wer großflächige artenreiche Wiesen sehen wolle, müsse nur einmal im Sommer zur Orchideenblüte zum Segelflugplatz kommen. Im nächsten Jahr wird Wilbert Fuhr dann wieder als Wanderführer zur Verfügung stehen.