30.12.10 | Pressemitteilung des Rhein-Sieg-Kreises

Ein echter Silvesterknaller: Felis silvestris – die europäische Wildkatze – ist zurück im Siebengebirge

Ein Totfund bestätigt dies eindeutig

Rhein-Sieg-Kreis (kl) – Das was da wie viele andere Tiere auch als Opfer des Straßenverkehrs auf der Straße lag entpuppte sich als kleine Sensation: Es handelt sich keineswegs um eine gewöhnliche Hauskatze sondern vielmehr um die lange erhoffte Rückkehr der europäischen Wildkatze ins Siebengebirge. Die genetischen Untersuchungen des Tiers bestätigen dies eindeutig.

 

Gefunden wurde das Tier bereits Ende Oktober von Christoph Rüter, Abteilungsleiter beim Amt für Natur- und Landschaftsschutz des Rhein-Sieg-Kreises. Auf dem Weg von Bonn-Oberkassel nach Königswinter-Vinxel fiel ihm der Kadaver auf der L 490 / Langemarckstraße auf. Stutzig machte ihn dabei zunächst vor allem der Fundort mitten im Wald. „Die nächste Wohnbebauung befindet sich rund 700 Meter Luftlinie entfernt. Das ist für „gewöhnliche“ Hauskatzen doch eine recht große Entfernung“, erläutert der gelernte Landschaftsplaner. Aber auch die Fellzeichnung des Tieres ließ eine erste Vermutung aufkommen. Er kehrte um fotografierte das Tier und sicherte den Fund.

 

Die Fotos stellte er verschiedenen Experten der Uni Bonn und der Forschungsstelle für Jagdkunde in Bonn-Pützchen für eine erste Beurteilung zur Verfügung. Nach deren optischen Einschätzung konnte es sich in der Tat um eine Wildkatze handeln  Christoph Rüter wurde gebeten, Proben für eine genetische Untersuchung zur Verfügung zu stellen.

 

Das Ergebnis der Senckenberg Forschungsstation Gelnhausen - Labor für Wildtiergenetik liegt nun vor und bestätigt eindeutig: Es handelt sich um eine europäische Wildkatze,  Felis silvestris, ein vermutlich noch nicht ganz erwachsenes Weibchen.

 

Ob es sich um ein Einzeltier handelt, oder ob noch weitere Tiere ins Siebengebirge eingewandert sind kann nicht gesagt werden. Aber der Fund beweist, dass Wildkatzen ins Siebengebirge gelangen können.

 

Das Verbreitungsgebiet der Europäischen Wildkatze erstreckt sich von den Britischen Inseln über das europäische Festland, einige Mittelmeerinseln bis hin zu Teilen Südwest-Asiens. Sie ist zu erkennen an dem buschigen, gestreiften Schwanz der in einer breiten, stumpfen Rundung endet. Das Fell ist dicht, das Streifenmuster zumeist recht auffällig, aber auch oft verwaschen und weist einen schwarzen „Aalstrich“ auf dem Rücken auf.

 

Die Wildkatze (auch Waldkatze genannt) ist eine charakteristische Bewohnerin kaum zerschnittener, möglichst naturnaher waldreicher Landschaften. Sie benötigt große zusammenhängende und störungsarme Wälder, vor allem alte Laub- und Mischwälder, mit reichlich Unterwuchs. Darüber hinaus benötigen die Tiere ein ausreichendes Angebot an natürlichen Versteckmöglichkeiten als Schlafplätze und zur Jungenaufzucht, bevorzug werden  dichtes Gestrüpp, bodennahe Baumhöhlen, Wurzelteller, trockene Felsquartiere sowie verlassene Fuchs- oder Dachsbaue.

 

Zu Beginn des vorigen Jahrhunderts wurde die Wildkatze vor allem durch die Jagd stark dezimiert, was zum fast völligen Verschwinden der Tiere in Deutschland geführt hat. Zwar gilt für die Wildkatze mittlerweile eine ganzjährige Schonzeit, dafür stellt aber die immer intensivere Nutzung der Landschaft durch Verkehr, Siedlungsgebiete, Land- und Forstwirtschaft ein großes Problem bei der Wideransiedlung dar. Die letzen Rückzugsgebiete liegen isoliert von einander wie Inseln im Meer. Die dort lebenden, vereinzelten Wildkatzenpopulationen sind sehr klein und entsprechend anfällig gegen Inzucht und Krankheiten. Aus diesem Grund gibt es vom Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland (BUND) die Bestrebung die verbliebenen Wildkatzenpopulationen in Deutschland durch Korridore zu verbinden und weitere Lebensräume zu erschließen.

 

Im Siebengebirge ist die Wildkatze bereits seit vielen Jahrzehnten verschwunden. Die nächstgelegenen Vorkommen wurden in der Nähe von Neuwied im benachbarten Rheinlandpfalz nachgewiesen.

 

„Der Fund im Siebengebirge kommt genau zur passenden Zeit: Mit dem derzeit anlaufenden Naturschutzprojekt „chance.natur“ haben wir die Möglichkeit die Wildkatzen im Siebengebirge weiter zu untersuchen: Von wo wandern sie ein und was können wir tun, um sie bei uns wieder endgültig heimisch werden zu lassen?“ freut sich Christoph Rüter über die sehr erfreuliche Nachricht.