Chance7 - Leitbild und Entwicklungsräume

 

Wie wir uns Natur und Landschaft in der Region langfristig wünschen

Um Planungen und Maßnahmen entwickeln zu können, erfolgt zu Beginn von chance.natur-Projekten regelmäßig die Festlegung eines Leitbildes. Darin wird formuliert, wie sich der Projektträger die Landschaft im Projektgebiet mit all ihren Eigenschaften vorstellt. Man entwickelt also eine Art Vision, an der die danach formulierten Ziele ausgerichtet werden. Im konkreten Fall bedeutet dies die Fokussierung auf den Natur- und Landschaftsschutz, denn darum geht es im Projekt. Der Projektantrag benennt als vorläufiges fachliches Leitbild:

 

Die repräsentativen Wälder mit ihren Quellen und Fließgewässern, die Streuobstwiesen und Sonderbiotope (Fels- und Steilhänge, Feuchtheide) im Projektgebiet sind großflächig gesichert, miteinander verbunden und erlebbar. In den einzelnen Landschaftstypen ist die spezifische Artenaustattung möglichst vollständig vorhanden. Die Vorkommen der Leitarten Rotmilan, Ameisenbläulinge, Gelbbauchunke, Schwarzstorch, Steinkauz, Steinkrebs und Mauereidechse sind gefestigt, das Potential für die Wildkatze geschaffen. Das Projektgebiet übernimmt eine Schlüsselrolle im überregionalen Biotopverbund.

 

Aber es gibt natürlich neben dem Arten- und Biotopschutz noch viele andere Faktoren, die die Nutzung und Gestaltung der Landschaft prägen. Auch diese gilt es zu beachten und in die Planung einzustellen..

Ein erster Schritt: die Entwicklungsräume

 

Das Projektgebiet, das vom Siebengebirge bis zur mittleren Sieg bei Windeck reicht, umfasst eine große Zahl unterschiedlicher Naturräume, die auch innerhalb der Kerngebiete mehr oder weniger deutlich erkennbar sind und die Planung maßgeblich beeinflussen. Daher hat die Planung diese Bereiche zuerst einmal als sogenannte Entwicklungsräume abgegrenzt und mit Leitaussagen versehen, die die wichtigsten naturräumlichen Parameter und die jeweils dort beabsichtigte naturschutzorientierte Entwicklung beschreiben.

 

Die Darstellung der einzelnen Entwicklungsräume und deren Beschreibung sowie die hierfür geltenden Zielaussagen finden Sie auch auf unserem Kartenserver.

 

Für die Kerngebiete wurden die nachfolgenden übergeordneten Leitgedanken formuliert.

Kerngebiet Siebengebirge

  • Erhaltung und Entwicklung naturnaher Waldgesellschaften
  • Erhaltung und Entwicklung trocken-warmer bis kühl-feuchter Sonderstandorte im Offenland, insbesondere an den Rheinhängen sowie in den Plateaulagen des südlichen Siebengebirges und der Täler
  • Gewährleistung geeigneter Lebensräume für Rotmilan, Mauereidechse, Gelbbauchunke, Uhu und Schwarzstorch
  • Förderung gefährdeter Obstsorten auf Weinbergsbrachen und Streuobstwiesen
  • Erhaltung und Entwicklung natürlicher Quellen und Fließgewässer,
  • Förderung der Ausbreitung des Steinkrebses
  • Schaffung geeigneter Lebensräume für die Wildkatze

Kerngebiet Pleiser Hügelland

  • Erhaltung und Entwicklung historischer Standorte mit Streuobstwiesen, Förderung gefährdeter Obstsorten
  • Gewährleistung geeigneter Lebensräume für Rotmilan, Steinkauz, Fledermausarten der Obstwiesen und Offenlandbereiche, Bilche und andere Nahrungsgäste wie Neuntöter, Raubwürger und Wespenbussard
  • Vernetzung der Populationen der Gelbbauchunke von der Tongrube Niederpleis mit den Vorkommen im Höhengebiet, u.a. an der Tongrube Eudenbach und der Grube Stein, sowie denen am Asberg in Rheinland-Pfalz

Kerngebiet Oberhau/Eudenbach

  • Erhaltung, Wiederherstellung und  und Vernetzung von Feuchtheiden, Pfeifengraswiesen und wechselfeuchten Magerwiesen mit ihrem typischen Inventar an Pflanzen- und Tierarten
  • Gewährleistung von Trittsteinbiotopen für die Tierarten der Wälder, zum Beispiel Wildkatze, Uhu, Spechte und Greifvögel 
  • Sicherung und Herstellung geeigneter Lebensräume für Gelbbauchunke und Zauneidechse

Kerngebiet Krabachtal

  • Vernetzung der Populationen der Ameisenbläulinge vom Siegtal bis auf die Asbacher Hochfläche
  • Schaffung geeigneter Lebensräume für Schwarzstorch sowie Edel- und Steinkrebs
  • Sicherung und Einrichtung von Trittsteinbiotopen für die Arten der Wälder
  • Entwicklung von Lebensräumen eines dynamischen Fließgewässersystems

Kerngebiet Leuscheid

  • Erhaltung und Entwicklung naturnaher Waldgesellschaften, Förderung der natürlichen Waldentwicklung
  • Erhaltung und Vernetzung von Feuchtheiden, Pfeifengraswiesen und wechselfeuchten Magerwiesen
  • Sicherung geeigneter Lebensräume für Schwarzstorch, Greifvögel, Spechte und Gelbbauchunke
  • Schaffung geeigneter Lebensräume für Edelkrebs und Wildkatze

Kerngebiet Bläulingswiesen im Siegtal

  • Sicherung und Herstellung geeigneter Lebensräume für Ameisenbläulinge
  • Entwicklung von Feuchtwiesen und weiteren auentypischen Lebensräumen
  • Erlebbarmachen der alten Siegschleife

Kerngebiet Pützchen - Kohlkaul

  • Erhaltung und Entwicklung der (Halb-) Offenlandbereiche der Naturschutzgebiete „Kohlkaul“, „Siebengebirge und „Weiers Wiesen“ mit einem Mosaik aus artenreichen, extensiv bewirtschafteten Grünlandbereichen mit seltenen und gefährdeten Pflanzenarten (u.a. Glatthaferwiesen, Silgen-Wiesenknopfwiesen, artenreichen Extensiv-Weiden, orchideenreichen Feucht- und Nasswiesen, strukturreichen Feuchtbrachen und Halboffenländern sowie breiten feuchten und mageren Säumen).
  • Erhaltung und Entwicklung von Habitaten und des Biotopverbundes insgesamt für vom Rückgang durch Lebensraumverlust betroffene Arten des strukturreichen Halb- (Offenlandens), der Feuchtwiesen und der Kulturlandschaften, wie z. B. der Dunkle-Wiesenkopf-Ameisenbläuling, die Sumpfschrecke, Ringelnatter, das Braunkehlchen, Haus- und Feldsperling, Mehl- und Rauchschwalbe und Neuntöter.
  • Erhaltung und Entwicklung der Feuchtwälder mit ihrem reichhaltigen Angebot an Alt- und Totholz als Rückzugsräume und Trittsteine für seltene Tier- und Pflanzenarten im städtischen Raum wie Klein- und Mittelspecht, Kuckuck oder Hirschkäfer.
  • Konzentration der Freizeitnutzung dieses dicht besiedelten Raumes auf die attraktiven Teichanlagen und Parkstrukturen zwischen Holzlar und Bechlinghoven und damit Beruhigung der umliegenden Naturschutzgebiete. Die Ziele des Naturschutzes und die Erholungsfunktion für den Menschen sollen durch die Lenkung des Erholungsverkehrs und die Öffnung zentraler Grünflächen für die Erholung harmonisiert werden.
  • Entwicklung von Trittstein-Biotopen im stark besiedelten Raum (Waldinseln, Feuchtwiesen, artenreiches Grünland, Stillgewässer)

Kerngebiet Ennert

  • Erhaltung und Entwicklung der Fließgewässersysteme und ihrer Auen als Leistrukturen des Biotopverbundes z.B. für Eisvogel und Gelbbauchunke sowie mit der Perspektive, Edel- und Steinkrebs anzusiedeln.
  • Erhaltung und Entwicklung von naturnahen und strukturreichen Laubwäldern mit Altbaumbestand und hohem Totholzanteil, insbesondere zur Erhaltung von Lebensräumen u.a. für den Mittelspecht und Fledermäuse und potenziellen Lebensraum für die Wildkatze
  • Erhaltung und Optimierung der Sonderstandorte wie Blockschutthalden, Steinbrüche und Stollen als faktische und potenzielle Lebensräume für Uhu, Wanderfalke, Mauereidechse und Fledermausarten
  • Entwicklung und Erhaltung von artenreichen Grünland trockener (Rheinhänge) sowie frischer bis nasser Standorte für gefährdete Arten der strukturreichen Kulturlandschaft
  • Besucherlenkung zur Verminderung von Störungen für gefährdete Arten und Zönosen, insbesondere im Bereich der Steinbrüche, auch durch mögliche Installation einer zentralen Projektinformation im Bereich des ehemaligen Sportplatzes