16.12.15 |

Neue Chancen für die Komper Heide

Großflächige Entwicklungsmaßnahmen für Lungenenzian und Co. starten

Forstmulcher im Einsatz

Einer der Schwerpunktbereiche von chance7 ist das Gebiet um die Komper Heide nahe der Ortslage Eudenbach. In früheren Zeiten beherbergte der Bereich zwischen den Ortslagen Eudenbach und Stockhausen sowie Sauerwiese große zusammenhängende Heiden und lichte Hutewälder. Auf den von Natur aus staunassen und wenig fruchtbaren Böden waren dies die einzigen Nutzungen, die aber kaum etwas für die Bevölkerung abwarfen.

Erst im 20. Jahrhundert, vor allem vor und nach dem 2. Weltkrieg änderte sich daran etwas, als im Zuge der damaligen Autarkiebestrebungen große Flächen durch Gräben und Drainagen entwässert und überwiegend mit Nadelbäumen aufgeforstet wurden. Hinzu kam die Anlage des Flugplatzes Eudenbach.

Für den Naturschutz gingen viele wichtige Lebensräume wie Heiden, Borstgrasrasen und Bruchwälder verloren, und mit ihnen verschwanden zunehmend Arten wie Arnika und Lungenenzian, aber auch das Braunkehlchen, Bekassine und Kiebitz. Heute findet man einige dieser schutzbedürftigen Lebensräume und Arten nur noch in den Naturschutzgebieten Komper Heide und Segelflugplatz sowie im angrenzenden Buchholzer Moor.

 

Bereits seit längerem engagiert sich der Rhein-Sieg-Kreis deshalb im Erhalt der vorhandenen aber weitgehend isolierten Restbestände und Populationen. So gibt es für den Segelflugplatz ein mit den Betreibern abgestimmtes Mahdregime (genaue Festlegung von Zeitpunkt und Flächen) und auch die Komper Heide wird von einem ortsansässigen Landwirt gepflegt.

 

Über das Naturschutzgroßprojekt soll nun endlich die Wiederherstellung und Entwicklung der schutzwürdigen Lebensräume vorangetrieben werden. Gute Beispiele hierfür lieferte in den letzten Jahren der Naturschutzverein Asbacher Land (ANUAL), der im Buchholzer Moor v.a. mit Hilfe der dortigen Orts- und Verbandsgemeinden Zug um Zug Nadelwälder in Heiden überführen konnte. Lungenenzian, Glockenheide und Moorlilie konnten sich seitdem wieder deutlich ausbreiten und Flächen zurückerobern. Dies soll nun auch in der Förderkulisse von chance7 erfolgen. Zudem soll damit die Vernetzung mit den Schutzgebieten in Rheinland-Pfalz hergestellt werden. Denn viele Arten benötigen zum Überleben größere zusammenhängende Flächen und individuenstarke Populationen. Einzelne oft weit voneinander entfernt liegende Flächen verhindern für Pflanzen- und Tierarten den genetischen Austausch.

 

Die Verbindung zwischen den Flächen soll allerdings nicht nur durch bloße Flächenkorridore und Vergrößerung des Lebensraumes geschaffen werden. Seit kurzem erfolgt im Bereich des Buchholzer Moores bereits mit Erfolg eine Heidepflege durch die Beweidung mit Schafen und Ziegen. So werden nicht nur aufkommende Gebüsche verbissen und Samen mit den Tieren verbreitet. Auch Insekten und andere  Kleintiere nutzen die „Rasenmäher“ im Huckepackverfahren, um im Fell der Tiere von einer Fläche zur anderen zu kommen. So beim Heidegrashüpfer, einer schützenswerten Heuschreckenart. Deshalb ist mittelfristig geplant, die Heideflächen und Grünländer beidseits der Landesgrenze insgesamt beweiden zu lassen.

 

 

Was aktuell passiert

 

Bis dato waren die Flächen, die für die Wiederherstellung der Heiden bereitgestellt werden, mit Fichten bestockt. Die Standorte sind aber für die Fichte nicht besonders geeignet, weil die Böden staufeucht sind und den Bäumen nur ein sehr flaches Wurzelwachstum ermöglichen. Gerade bei den zuletzt aufgetretenen Stürmen sind immer wieder Bäume mitsamt der Wurzelteller umgestürzt.

 

Auf diesen für die Forstwirtschaft weniger geeigneten Standorten wurden in einem ersten Schritt die Bäume maschinell geerntet. Dabei wurde zuerst das Stammholz aufgearbeitet und abgefahren, im Anschluss dann das Astwerk und die Kronen aufgenommen, zu einer Sammelstelle gefahren und gehäckselt. Zur Schonung des Bodens wurden bei den Arbeiten entsprechende Techniken eingesetzt. So verwendeten die Fahrzeuge besonders breite Reifen oder gar ca. 1 Meter breite Bänder, um so den Bodendruck zu vermindern. Diese forsttechnischen Maßnahmen wurden durch das Forstamt Rhein-Sieg-Erft durchgeführt. In einem weiteren Schritt wurden die Flächen dann mit einem Forstmulcher befahren, der die Stubben und oberflächennahen Wurzeln schredderte.

Die Samen des Heidekrautes und anderer Arten dieses Lebensraumes erfordern aber zur Keimung offenen Boden. Der nach dem Schreddern auf den Flächen verbliebene "Teppich" von Astwerk und Häckselgut verhindert daher eine schnelle Wiederherstellung der Heide. Deshalb wird in diesem Spätsommer noch das Mataril bis auf den Rohboden abgekrätzt und auf Mieten außerhalb des Geländes zusammengefahren. So werden die Voraussetzungen geschaffen, um die Flächen in Heiden und Magergrünland zu entwickeln. Gegebenenfalls  erfolgt dann noch in einem weiteren Schritt eine Übertragungvon Mahdgut, das mit dem Samenmaterial auf nahegelegenen artenreichen Heide- und Grünlandflächen gewonnen und auf den Zielflächen ausgebracht wird. Sobald die Flächen es zulassen, können sie dann auch mitbeweidet werden. Diese Maßnahmen werden unter Federführung des Projektbüros Chance 7 erledigt.

 

Und schließlich soll auch der Wald nicht zu kurz kommen. Weitere Flächen, auf denen derzeit Eichen, Birken, Kiefern und Fichten stocken, sollen durch Entnahme insbesondere der Nadelbäume so licht gestellt werden, um auch dort der natürlich Vegetation “unter die Arme zu greifen“. So können sich dort vor allem Bruchwälder entwickeln mit oft dichten Teppichen aus Torfmoosen und seltenen Arten wie dem Siebenstern und der Moorlilie oder verschiedenen Bärlapparten. Und für die wegfallenden Fichtenforste sollen an anderen Stellen neue Aufforstungen mit Laubholz oder andere ökologische Aufwertungen von Wäldern erfolgen.

 

Bilder von unseren Maßnahmen finden Sie unter der Rubrik "Über das Projekt/Impressionen/Entwicklung Komper Heide"